Erst in den Stall und dann zum Frühstück!

Regenbogenschüler aus Bergen zu Besuch auf dem Internationalen Schulbauernhof Hardegsen

6:30 Uhr Weckerklingeln, 6.45 Uhr: Zeit zum Aufstehen und ab in den Stall! Eine etwas andere Schulwoche erlebte die Klasse 4 der Regenbogenschule Bergen, die ihre Zeit auf dem Internationalen Schulbauernhof in Hardegsen verbrachte. Landwirtschaft hautnah – dieses Ziel konnte den Schülern erfolgreich vermittelt werden. In Kleingruppen erledigten die Schüler alle notwendigen Arbeiten: Futterraufen reinigen, Wasser nachfüllen, Stall misten, Ferkel wiegen, Kühe melken, Zäune umstecken, Eier sammeln, Essen vorbereiten und vieles mehr. „Wir verstehen uns nicht als pädagogische Einrichtung mit Streichelzoo. Unser Ziel ist es vielmehr wirkliche Landwirtschaft erfahrbar zu machen“, so Axel Unger, der Geschäftsführer. Dazu gehörten während der Klassenfahrt nicht nur die Stallzeiten, sondern auch die Weiterverarbeitung der gewonnenen Lebensmittel und Rohstoffe. So konnten die Schüler in einem Bienenprojekt erfahren wie viele Bienen in einem Bienenstock leben. Mit Imkerkleidung ausgestattet, erlebten die Schüler auch wie Honig geschleudert wird, probierten unterschiedliche Honigsorten und durften als Andenken eine selbst gefertigte Honigkerze mitnehmen.

Auch die Schafwolle, die durch das Scheren ein Mal im Jahr anfällt, wurde zunächst gereinigt und kardiert (gekämmt), um anschließend von den Schülern zu Filzbällen und Armbändern verarbeitet zu werden. „Das ist ja ganz schön viel Arbeit“, waren sich die Schüler einig.

Spannend wurde es auch in dem Zuckerrüben-Projekt, bei dem die Schüler zunächst unterschiedliche Rübenarten probieren konnten, um den jeweiligen Zuckergehalt zu erschmecken. Dabei erfuhren sie auch was sich hinter Raffinade-Zucker verbirgt und wie viele Rüben man für ein Kilo Zucker benötigt. Ein Highlight war sicherlich das Herstellen von Zuckerwatte und Karamelbonbons, die es für alle Schüler zum Nachtisch gab. 
Beim Mosten der Äpfel in der Apfel-Gruppe mussten dann alle mit anfassen, um bei der Saftpresse auch noch den letzten Tropfen herauszubekommen.

Abgerundet wurde das vielfältige Programm durch einen Ausflug in eine nahegelegene Saft-Kelterei, bei der jeder einzelne Schritt von der Annahme der Äpfel, über das Etikettieren der Flaschen und das Befüllen den Schülern näher gebracht werden konnte. Am Abreisetag konnten die Schüler dann noch erfahren womit eine Biogasanlage befüllt wird, wofür auch dort Computer notwendig sind und welche Maschinen im Einsatz sind. Besonders spannend fanden die Schüler auch das Wiegen der Traktoren, die den Mais anliefern. Am Ende durften sich die Klasse 4 gemeinsam auf die Waage stellen und fand: „Knapp 700 kg! Wir sind ja ganz schön schwer!“
Einen Berührungspunkt der besonderen Art war für die Schüler die Zusammenarbeit mit der August-Wilhelm-Mende-Schule (Förderschule) aus Bebra. Während die Lehrkräfte und Betreuer noch über Möglichkeiten und Grenzen der Inklusion von Förderschülern sprachen, lebten die Grund- und Förderschüler das, wonach in der Bildungspolitik noch gesucht wird. Eine Selbstverständlichkeit und Achtsamkeit in der Zusammenarbeit, bei denen keine Unterschiede hervorgehoben werden, die Schüler sich so respektieren wie sie sind und ein gegenseitiges Lernen stattfindet. „Außenstehende hätten sicher Schwierigkeiten die Schüler der beiden Schulen auseinander zu halten, wenn sie gemeinsam im Stall arbeiten!“, da waren sich die Lehrkräfte und Betreuer beider Schulen einig.

Künstlerisch tätig wurden die Schüler an ihrem „freien“ Nachmittag, in dem sie sich auf die Spuren von Andy Goldsworthy begaben. Nachdem sie den Künstler bereits im Unterricht kennen lernten und vor allem durch seine geduldige und naturnahe Art schätzen lernten, war nun eigenes Ausprobieren angesagt. In Einzel- oder Kleingruppen schafften es die Schüler ihre Ideen in der Natur zu integrieren, indem sie ihre Werke aus Naturmaterialien, wie Weinblätter, Zapfen oder Steine, fertigten. Dabei erprobten sie ihre Geduld und lebten mit der Gewissheit, dass bei dem nächsten Wind ihr Werk nicht mehr vollständig oder sogar zerstört ist, so wie es die Natur jeden Tag lebt.

m Freitag ging es nach einer erlebnisreichen Woche wieder mit dem Zug nach Hause.
„Tschüss Boxi“, „Tschüss Lotta“, „Tschüss Knuddel“, „Tschüss Kleene“ so verabschiedeten sich die Schüler von den Schafen, Schweinen und Kühen.

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