5 Tage auf dem Internationalen Schulbauernhof Hardgesen in Jahrgang 7 am Kaiser-Auguste-Viktoria-Gymnasium Celle

Pilotprojekt: Dreitägiger Aufenthalt der Klasse 7e mit Kt / Pos vom 12.-14. April 2012

Um erste Erfahrungen und Eindrücke zu gewinnen, fand ein erster, verkürzter Besuch des Schulbauernhofs im April 2012 statt. Auch wenn von den Betreibern ein mindestens fünftägiger Aufenthalt angeraten wird (s.u.), konnte das Pilotprojekt aus verschiedenen organisatorischen Gründen inklusive An- und Abreisetag nur drei Tage umfassen.Die Lerngruppe lernte dabei in Kleingruppen folgende Tätigkeiten auf einem land-wirtschaftlichen Hof kennen:

  • Betreuung von Nutztieren, hier: Hühner, Schweine, Schafe und Milchschafe, Ziegen, Rinder und Milchkühe
  • Naturschutz und LandschaftspflegeHauswirtschaft
  • Handwerkliche Tätigkeiten (hier: Zaunbau für eine Obstwiede, Instandhaltung Schweinestall)
  • Abläufe der Schweinehaltung und Fleischerzeugung in industrieller und ökologischer Ausprägung, Bienenhaltung und Honiggewinnung
  • Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte (Milch- und Wollverarbeitung)

Zudem wurden Hintergrundinformationen zu den Themen regenerative Energie aus der Biogasanlage und der Großstallhaltung in Workshops anschaulich vermittelt. Das straffe Arbeitsprogramm (Stallzeit vor dem Frühstück!) vermittelte einen realistischen Blick auf das Arbeitsfeld Landwirtschaft.

Die Evaluation der Fahrt betonte folgende Aspekte:

  • Ein längerer Aufenthalt wird von Schülerinnen und Schülern und den begleitenden Lehrkräften unbedingt gewünscht.Die Schülerinnen und Schüler schätzten besonders die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und mit den Tieren zu arbeiten, das ihnen entgegen gebrachte Vertrauen, den neuen Blick auf die Arbeit auf einem landwirtschaftlichen Hof und die erzeugten Nahrungsmittel und die Zusammenarbeit in ihrer Klasse.
  • Die begleitenden Lehrkräfte betonten zusätzlich die sehr guten Informationen durch den Hof, inklusive der Workshops und Exkursionen.

Als Baustein im Fahrtenkonzept des KAV-G

Ein fünftägiger Aufenthalt auf dem Schulbauernhof Hardegsen würde im Fahrtenkonzept die Lücke zwischen der Klassenfahrt zu Beginn des Jahrgang 6 und der Berlinfahrt des 10. Jahrgangs (bzw. eingeschränkt, da nicht im Klassenverband die Tage religiöser Orientierung in Klasse 8) verkleinern helfen. Das starke Erleben, insbesondere auch die Zusammenarbeit in der Klasse (s.o., Evaluation) helfen nachhaltig, die Klassengemeinschaft zu stärken. Positive Auswirkungen der Fahrt sind auch durch die (Vor- und) Nachbereitung, auch im Fachunterricht Erdkunde, Biologie, Deutsch, WuN/Religion und Politik zu erwarten. Häufig zeigen gerade auch „problematische“ SchülerInnen in diesem ganz anderen Umfeld Qualitäten, Engagement und Teamfähigkeit, die ihnen weder ihre MitschülerInnen noch LehrerInnen zugetraut hätten.

Damit der Unterrichtsausfall gering bleibt und unter Berücksichtigung der für die Arbeit im Freien wichtigen Temperaturen sei ein Aufenthalt entweder während der Seminarfachfahrt (Oktober) oder während des mündlichen Abiturs (Mai) vorgeschlagen.

Als Baustein im Konzept der Berufsorientierung

Die Fahrt ergänzt das Konzept der Berufsorientierung am KAV-G um einen weiteren Baustein, indem es den Schülerinnen und Schülern Einblicke in den Arbeitsalltag, speziell im primären Sektor bietet. Dabei wird das vorherrschende Berufsbild des Landwirts / der Landwirtin modernisiert und ein direkter Zusammenhang zwischen Arbeit und Produkt (hier v.a. Nahrungsmitteln) hergestellt. Zusätzlich lernen die Jugendlichen viel über Qualifikationen wie Zuverlässigkeit, Verantwortung, Teamarbeit, Produktionsabläufe, Hygiene etc., die auch in anderen Berufsfeldern wichtig sind. Dabei geht für die Siebtklässler von der Arbeit mit den Tieren und für die Tiere viel Motivation aus, die sie auch die körperlichen mitunter anstrengenden Tätigkeiten gerne ausführen lassen. Zu betonen ist besonders, dass auf dem Schulbauernhof Arbeit begriffen werden kann und die SchülerInnen echte, eigene Erfahrungen machen und ihre Selbstwirksamkeit erleben. Dabei legt der Schulbauernhof viel Wert darauf, die Arbeiten soi zu dimensionieren, dass sie in der Zeit des Aufenthalts abge-schlossen werden können, was ebenso für Erfolgserlebnisse sorgt wie die Arbeit für das eigene Abendbrot.

Damit das volle Potenzial der Fahrt ausgeschöpft werden kann, ist auch unter dem Blickwinkel der Berufsorientierung die Verlängerung auf fünf Tage wünschenswert, u.a. damit

  • sich die Abläufe auf dem Hof besser einspielen können,
  • mehr Tätigkeiten kennengelernt werden können,
  • ein besserer Überblick über die Prozesse entsteht undvielfältigere Exkursionen und Workshops Tätigkeiten und Berufsbild ergänzen können.

Insgesamt bietet der Schulbauernhof, teils mit Hilfe umliegender Partner folgende Tätigkeiten für die Schülerinnen und Schüler an:

  • Landwirtschaftlich: Versorgung der Tiere, Feld- und Gartenarbeit, Handwerkt und Reparaturen, Wald- und Forstarbeit
  • Kulturlandschaftspflege
  • Lebensmittelverarbeitung: Milch- und Getreideverarbeitung, Konservieren, Küche und Hauswirtschaft
  • Ergänzt werden die Angebote durch eine Medienwerkstatt und ein agrarökolo-gisches Labor.

Mithilfe dieses Angebots lässt sich das Konzept der Berufsorientierung des KAV-G hervorragend vervollständigen:

  • Klasse 7: Erfahrungen in der Landwirtschaft (primärer Sektor) und Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Produkte, „geschützt“ im Klassenverband, begleitet durch fächerübergreifenden Fachunterricht
  • Klasse 8: Betriebserkundungen, v.a. im sekundären und tertiären Sektor im Klassenverband. Vorbereitung (Bewerbungen) für das Betriebspraktikum im Jg. 9
  • Klasse 9: Betriebserkundungen, individuelles und betreutes vierzehntägiges Betriebspraktikum
  • Jahrgang 10: Bewerbungstraining, Studienorientierung
  • Jahrgang 11/12: Studienorientierung

Da der Internationale Schulbauernhof Hardgesen nur 40-45 Schülerinnen und Schüler aufnehmen kann, müssten für eine vollständige Integration der Fahrt in das Konzept der Berufsorientierung allerdings noch weitere Betriebe im primären Sektor gefunden werden, damit der gesamte siebt Jahrgang (gleichzeitig?) von diesem wichtigen Baustein der Berufsorientierung profitieren kann. Vielleicht hilft hier (2).

(1) Internationaler Schulbauernhof Hardegsen
Hier insbesondere: www.internationaler-schulbauernhof.de/pdf/isbh-paedkonzept.pdf

(2) Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof:
http://www.baglob.de/01aufgaben.html

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