Landlust auf dem Schulbauernhof Hardegsen

Erlebnisbericht aus der 4. Klasse der Edith-Stein-Grundschule, die durch engagierte Elterninitiative ein Wochenende im Mai 2018 bei uns verbracht haben.

Los geht’s

„Ich bin der Axel“, geradeheraus und schnörkellos begrüßt uns Axel Unger, der Leiter des Internationalen Schulbauernhofs in Hardegsen, als wir am Freitagnachmittag bei bestem Wetter auf dem Land angekommen sind. Ein ganzes Mai-Wochenende liegt nun vor uns – fünf Betreuereltern und 35 Viertklässler der Braunschweiger Grundschule Edith Stein. Die Abschlussfahrt auf´s Land hatten wir uns ausgedacht, um unseren Stadt-Kindern, die bald neue Wege gehen würden, eine Alternative zu zeigen zu den fast unvermeidlichen Computerspielen oder zu dem nachmittäglichen Gechatte auf den Smartphones. Soviel vorweg: Mission erfüllt!

Mit dem Planwagen über Land

Schon die Planwagenfahrt in aller Frühe von der Unterkunft in Hardegsen zum Bauernhof in Hevensen geht als Landabenteuer am Samstagmorgen durch. Thomas, der Treckerfahrer, hilft uns in den Anhänger hinein: Auf Holzpritschen werden wir vier Kilometer lang kräftig durchgeschüttelt. Das fetzt! Kaum vom Wagen abgesprungen, heißt es jetzt erst einmal für alle: Umkleiden! Gummistiefel, Arbeitshose, altes Shirt und Handschuhe – so ist Bauernhof.

Das sechsköpfige Team vor Ort stellt sich vor und führt uns in Gruppen auf einem ersten Rundgang über den Hof. Kühe, Ziegen, Schweine, Hühner, Enten und Schafe bilden die Tier-Community hier im Ortsteil Hevensen. Land-Idylle pur. Axel und sein Betreuerteam erarbeiten mit unseren Kindern zunächst, wie diese sich richtig verhalten im Umgang mit Tieren: nicht schreien, nicht rennen, nicht hektisch um sich schlagen, die Tiere nicht erschrecken oder am Fell zerren. Das leuchtet ein.

 Schnuppern in Workshops

Nach dem ersten Schnuppern über den Hof stehen jetzt Workshops auf dem Programm. Butter und Mozzarella herstellen aus der Milch der Kühe, Honigbienen und Imkern, mit Wolle arbeiten und Filzen, Lebensraum Streuobstwiesen – es ist für alle ein spannendes Projekt dabei. Mich zieht es tatsächlich zu den Bienen. Mit Respekt nähern wir uns dem Summen um die Bienenstöcke. Ein mulmiges Gefühl beschleicht uns. Ob sie wohl stechen? Imker Hubertus erklärt uns, warum die Bienen so wichtig sind und wann Bienen stechen – nämlich nur, wenn sie sich bedroht fühlen. Wir lernen die wichtigsten Instrumente des Imkers kennen: Imkerhut, Smoker, eine Art Gabel, um die Waben zu öffnen. Den Rauch produzieren wir mit trockenen Gräsern und kleinen Ästen. 10.000 Bienen bilden ein Bienenvolk – die einzelnen Waben sind über und über mit Bienen bevölkert. Auf den Waben suchen wir später nach der Königin (und finden sie), kosten von frischem Honig direkt aus der Wabe (lecker!) und lernen, wie Bienen sich verständigen und überwintern. Hubertus macht uns Lust auf´s Imkern… Rasch ist es Zeit für´s Mittagessen: Umkleiden, Hände waschen und zu Tisch – das funktioniert reibungslos. Das Hauswirtschaftsteam hat eine leckere Gemüsesuppe zubereitet und alles fein angerichtet –– großartig.

Stallzeit für alle

Nach einer wunderbar langen Pause in der Sonne geht es weiter. Stallzeit für alle! Denn so richtig faulenzen gibt es bei Axel und seinem Team nicht. Es muss angepackt werden, die Tiere wollen versorgt sein – und die Arbeit auf einem Hof geht nie aus. Und auch wir Betreuer teilen uns erneut auf und begleiten die Gruppen. Wieder sind die Schafe beliebt – sie sind unweit des Hofs auf einer Wiese unterwegs. Als sie die Kinderhorde sehen, kommen sie angelaufen und scharren sich neugierig um die Besucher. Ihr Fell ist wollig-fettig und sehr dicht. Wir lernen, dass die Schafe der vom Aussterben bedrohten Rasse der Leine-Schafe angehören. Schafe, so lernen die Kinder, liefern mit ihrer Wolle den Stoff, mit dem zuvor kreativ gebastelt wurde. Eine andere Gruppe macht sich auf zu den Schweinen – keine gewöhnlichen, nein es sind die Bunten Bentheimer, die hier im Freien unter einem Stalldach liegen und dösen. Strenger Geruch liegt über diesem Teil des Bauernhofs – für Städternasen erstmal gewöhnungsbedürftig. Doch ihr schwarz geflecktes Fell ist einfach umwerfend – und neugierig sind vor allem die Ferkel. Überall wird jetzt gearbeitet – die Kinder sind in ihrer jeweiligen Gruppe gut beschäftigt. Die Kühe wollen gemolken und versorgt werden – natürlich mit einer richtigen Melkmaschine. Und im Hühnerstall brauchen die Hühner Futter und Wasser– dabei ist es nicht so leicht, durch die vielen wartenden Hühner zu schreiten. Anschließend sammeln die Kinder mehr als 60 Eier ein – eine gute Ausbeute für den Tag. So nah sind viele unserer Kinder den Tieren noch nie gekommen. Sie lernen in kurzer Zeit, ihre Angst abzulegen und Vertrauen aufzubauen – das stärkt die eigene Wahrnehmung und den Respekt vor den Tieren. Axel Unger ermuntert die Kinder, genau hinzusehen: „Ihr spürt und seht, dass sich unsere Tiere wohlfühlen. Sie sollen ein gutes Leben haben – und ihr sollt lernen, wie eine solche nachhaltige Landwirtschaft funktionieren kann.“

Der Internationale Schulbauernhof setzt mit seinem Initiator Axel Unger darauf, Kinder und Erwachsene für eine artgerechte Tierhaltung und eine Landwirtschaft im Einklang mit der Natur zu sensibilisieren, Naturräume zu schützen und Alternativen zur Massentierhaltung aufzuzeigen.

Als wir am Sonntag den Heimweg nach Braunschweig wieder antreten, sind alle erschöpft, vor allem aber glücklich – es hätte nicht besser sein können. Das Wochenende war ideal für die Gemeinschaft, aber auch für das Verständnis von Landwirtschaft.

Tanja Schneider-Diehl

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